Jede Ortschaft hat ihren eigenen Charakter und ist unverwechselbar, gerade so, wie jeder Mensch einzigartige Wesenszüge hat. Gossau ist stark von der eiszeitlichen Drumlinlandschaft geprägt, in der das Dorf liegt. Auf bewaldeten Hügeln und in moordurchzogenen Senken wurde die Ortschaft entwickelt. Es war eine Landschaft, die sich dem Menschen nicht leicht preisgab. Jeder Standort verlangte einen anderen Lösungsansatz, um das Auskommen zu sichern.
Es scheint so, als habe diese Ausgangslage Gossau bis heute geprägt. Einer der herausragenden Charakterzüge der Gemeinde ist ihre Vielfalt in der Einheit. Die Wachten Gossau-Dorf, Ottikon, Bertschikon, Grüt und Herschmettlen haben über Jahrhunderte ein Eigenleben entwickelt, das sich in vielen Zügen markant von der benachbarten Wacht unterscheidet. Das einzige Bindeglied war lange Zeit die gemeinsame Kirche auf dem Berg.
Dieses Eigenleben hat sich im Mittelalter angebahnt und in der jüngeren Geschichte noch akzentuiert. Die Anfänge der Gossauer Wachten liegen im frühen Mittelalter. Im hohen Mittelalter entwickelten sie sich zu eigentlichen Dorfgemeinschaften, und in der neuen Zeit erreichte Gossau seine politische Eigenständigkeit.
Weitere Charakterzüge der Gossauer Wachten sind ein starkes Selbstbewusstsein und eine ausgeprägte Eigenständigkeit. Gossau lässt sich nicht gerne von übergeordneten Instanzen dreinreden. Ebenso wenig schätzten die Wachten oder Quartiere es, wenn der Munizipal- oder Gemeinderat zentralistische Tendenzen entwickelte, und solche vermutete man oftmals schnell im vielfältigen Gossau. Das bereitete schon mancher Behörde Mühe.
In unserer Internet-Ortsgeschichte wollen wir dieses Werden von Gossau und seinen Wachten beleuchten. Dabei müssen wir uns beschränken, denn die Vielfältigkeit und Farbigkeit von Gossaus Geschichte ist so gross, dass sie nur in groben Zügen dargestellt werden kann.

Gossau in einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1925.
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